So ziemlich jeder Musiker ist in seiner Laufbahn schon mal auf den Kronos von KORG gestoßen. Als Nachfolger der OASYS-Workstation sollte Kronos dem MOTIF und dem Fantom in den Pöppes treten bzw. dafür sorgen, dass KORG auch in diesem Segment weiter vertreten ist.


Vor einiger Zeit wurde der Kronos LS angekündigt und genau jeder befindet sich jetzt seit 2 Wochen bei mir. Zeit also, für einen Test!




Der Kronos LS ist eine abgeänderte Version des Kronos 2 in der 88-Tasten-Version. Während inhaltlich alles identisch ist, hat sich äußerlich einiges getan:
Die Seiten bestehen nicht aus Zebrano sondern aus Sunburst-Holz, statt der schwarzen Oberfläche haben wir ein edles rot-gold, aber das wichtigste:


Es befindet sich eine 88-Tasten-Tastatur an Bord, welche allerdings ungewichtet ist und damit wie die 61er Version bespielbar ist! Also perfekt für alle, die keine gewichtete Tastatur mögen, aber 61 Tasten für zu knapp befinden!

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Trotz der enormen Fülle an Bedienelementen ist der Kronos LS verhältnismäßig kompakt, wenn man es z.B. mit einem T4 vergleicht.






Für ein Instrument dieser Klasse sind entsprechende Anschlussmöglichkeiten wichtig, und die besitzt der Kronos LS in Masse!
Neben dem obligatorischen Main Out kann man noch 4 weitere Outputs routen, es gibt die Möglichkeit Mikrofone, Line-Signale oder z.B. Gitarren an 2 unabhängigen Inputs, welche separat ausgepegelt werden können, anschließen, Digital-Outputs, 3 USB-Schnittstellen, MIDI Trio und natürlich Anschlüsse für Pedale/Schweller runden das Portfolio ab.
Die Anschlüsse sind vergoldet, dadurch ist eine bessere Übertragung gewährleistet.






Das Bedienkonzept stützt sich auf intuitive Bedienung über den Touchscreen.
Links davon befinden sich 8 Knobs und 10 Fader, welche individuell belegt werden können, z.B. für Volume oder um Zugriegel zu steuern.
Der Vector-Joystick erlaubt es, in die Sounds einzugreifen und frei insgesamt 4 Parameter zu steuern, so können beispielsweise Panorama, LFO und Pitch programmiert und on the fly angepasst werden!


Der Kronos LS verfügt über 7 Betriebsmodi:


Program:
Im Program-Modus kann ein Programm/Timbre, also eine Voice, gespielt werden. Wie diese aufgebaut sind, gucken wir uns gleich an.


Combination:
Eine Combination kann aus bis zu 16 Timbres bestehen, welche FREI im Bereich Mapping und Velocity auf der Tastatur verteilt werden


Sequencer:
Im Sequencer-Modus lassen sich Songs schnell aufzeichnen.


Sampling:
Wie der Name verrät, können hier eigene Sounds erstellt werden. Entweder aus bestehenden Dateien, welche auf die Festplatte geladen werden, oder über rückseitig aufgenommene Signale


Global:
Im Global-Modus werden alle Parameter festgelegt, welche übergreifend über alle Modi hinweg gelten, also quasi das Einstellungsmenü


Disk:
Im Disk Modus lassen sich Daten speichern, laden oder sogar CD´s brennen/auslesen. Dafür ist jedoch ein USB-CD-Laufwerk/Brenner nötig, aber schön, dass es sowas gibt! So lassen sich Demos direkt vom Keyboard erstellen und müssen nicht erst an nem PC bearbeitet werden


Setlist:
Die Setlist umfass bis zu 16 Slots, welche mit Programs oder Combinations belegt werden können und so direkt zur Verfügung stehen! Diese können auch farblich hinterlegt werden oder im Kommentar-Bereich mit Texten und Kommentaren versehen werden, beispielsweise die Belegung der Sounds oder Akkorde

Sound:


Der Kronos LS besitzt insgesamt 9 eigenständige Synthese-Formen, anhand der er den Sound erstellen kann. Der HD1 ist dabei am ehesten mit einem klassischen Keyboard zu vergleichen, denn er verfügt über 2 Oszillatoren, welche stinknormale Samples abspielen kann, also so, wie z.B. ein MOTIF oder Fantom.
Herzstück des ganzen ist jedoch die EX-Tonerzeugung, denn diese greift auf verschiedene Synthese-Formen zurück, welche gleich im Detail beschrieben werden.
Diese eigenständigen Formen sind jeweils Experte für die zugewiesenen Sounds und haben z.T. grafische Bedienoberflächen, welche sich am ehesten mit einem VST beschreiben ließen:

SGX 2:
Diese Engine konzentriert sich auf akustische Pianos. Es sind mehrere Flügel-Typen vorhanden, dessen Samples sich auf mittlerweile über 10GB erstrecken. Diese Pianos klingen dank zahlreicher Parameter wie Saitenresonanz, Una Corda, Mechanik-Geschräusche, Geräusche der Dämpfer, Dämperresonanzen uvm. sehr authentisch, wobei ich den "Kronos German Grand" ein wenig lieber als den neuen "Berlin Grand" mag, aber das ist sicherlich Geschmackssache.
Die Pianos können sehr tiefgehend editiert werden, so lassen sich z.B. Deckelpositionen, Panorama (von wo höre ich den Sound? Von hinterm Klavier oder aus dem Publikum?), Level der einzelnen Geräusche, Saitenresonanzen uvw. nach Belieben anpassen.

EP 1:
Diese Engine konzentriert sich auf E-Pianos und liefert neben normalen Tine-Typen auch Reed Pianos mit, also Rhodes und Wurlitzer.
Hier finden wir ein eigenes grafisches Interface und können, abseits der ohnehin 12 vorhandenen Insert Effekten bereits Modulationen vorschalten, Tremolo und Verstärker einstellen und natürlich festlegen, welche Art Piano wir spielen. MK V? Wurli? Freie Wahl!

CX 3:
Die CX 3 Engine kümmert sich um Drawbar-Orgeln und ist an die KORG CX 3 angelehnt, ein Hammond-Klon, welcher seinen eigenen Charme besitzt und heute noch sehr beliebt ist.
Anders als andere Hammond-Imitationen in Keyboards kann dank CX 3 sehr viel mehr editiert werden:
Art des Leslie, Entfernung der Mikrofonierung, Vezerrung, Wheel-Brake, Rotations-Frequenz der einzelnen Stufen, Leakage, Nebengeräusche, Verstimmung der Tonewheels und und und...
Gerade im Bandkontext, wo eine richtig dreckige Orgel benötigt wird, kann hier absolut das richtige geliefert werden! Zugegebenerweise meine neue Lieblings Hammond-Simulation!

STR 1:
Die STR 1 ist noch aus OASYS-Zeiten bekannt und wurde als Expansion mitgeliefert.
Diese Engine ist für angeschlagene und gezupfte Saiteninstrumente zuständig, sprich Gitarren, Harfen und allerlei Ethnic-Zeugs rund um den Globus.
Auch hier geht es sehr in die Tiefe, so lassen sich z.B. bei Gitarren anpassen, wie stark die Saiten angeschlagen werden, an welcher Stelle uvm. Dennoch liegen die Gitarren-Sounds ein wenig hinter denen eines Tyros/Genos zurück

MS 20 EX:
Eine 1:1 Nachbildung des KORG MS 20 mit eigener Bedienoberfläche mit zahlreichen Knöpfen und Reglern zum dran rum basteln, verdrehen und Spaß haben.
Mit etwas Übung kriegt man hier richtig alte Sounds raus. Es befindet sich sogar ein virtuelles Patch-Feld in der Engine, sodass Kabel nach Wunsch gesteckt werden können!

PolySix EX:
Eine Nachbildung des KORG PolySix, ebenfalls mit eigener Bedienoberfläche und allerlei Firlefanz zum dran rum schrauben. Wer also gern mal am Synthie bastelt, wird schon mal einige Stunden hier Spaß haben!

MOD 7:
Die MOD 7 kümmert sich um FM-Synthese, verfügt ebenfalls über ein Patch-Feld und ist eine Engine, aus der ich nicht schlau werde. Liegt vielleicht daran, dass ich DX-Sounds generell nicht so sexy finde und wenig benutze.
Aber das, was geliefert wird, klingt nach DX7, das hat zu reichen

AL 1:

Der AL 1 ist die letzte Syntheseform und ist ein simpler Synthesizer, welcher verschiedene Wellenformen liefern kann und dabei so klingt, wie ein Synthie klingen muss (MS 20 und PolySix haben halt ihren eigenen Soundcharakter). Hier lassen sich auch richtig fies fette Leads und Bässe programmieren!


Im Kronos arbeitet die Smooth-Sound-Transition, kurz STS. Sie garantiert volle Effektpower auch beim Wechseln eines Timbre/Combination. Es können theoretisch alle 12 Insert-Effekte vollkommen ausgereizt werden, dieser Ton gehalten, ein neues Program gewählt werden. Nachdem erneut eine Taste angeschlagen wird, erklingt das neue Program, das alte wird weder abgeschnitten noch hört man diese hässlichen Artefakte und Aliasing, sobald man mal was umschaltet.
Funktioniert allerdings nur beim Wechsel in ein neues Program, beim weiteren Wechsel ohne anspielen des 2. gewählten Programs schneidet der Sound komplett ab (Wechsel von 1 auf 2 geht. Wechsel von 1 auf 2, 2 nicht anspielen und direkt auf 3 wechseln geht nicht)


Der Kronos LS liefert durch die komplette Bandbreite sehr gut klingende Sounds. Es macht nun mal einen Unterschied, ob es sich um rein sample-basierte Engines handelt (oder nur eine, wie z.B. AWM bei Yamaha), oder ob jede Engine eigene Power mit bringt.

Pianos:

Die Pianos im Kronos überzeugen mit viel Detail, 8-fach Velocity-gesampelten Klängen OHNE Loop! Ein wenig am EQ gebastelt, dann kann man die Augen schließen und fühlt sich wie vor einem richtigen Flügel!
Auch E-Pianos und Clavinets überzeugen mit unperfekter Perfektion, denn ein wenig Schmutz und Dreck hat noch nie geschadet. Ein Musikinstrument steht schließlich nicht im klinisch reinen Reinraum und wird auf Hochglanz gewienert.
Es sind sogar Signature Sounds von Herbie Hancock, Tom Coster uvm vorhanden!

Orgeln:
Dank der CX 3-Engine klingen die Hammond-Orgeln richtig schön schmuddelig fies und lassen sich bis in die letzte Ecke tweaken. So muss man heutzutage Tonewheels nachbilden!
Und auch synthetische Orgeln wie VOX Continental kann der Kronos.
Bei Pfeifenorgeln hingegen schneidet er mau ab, ich kenn aber auch kein Keyboard, welches sowas richtig gut kann.

Gitarren und Bässe:
Gitarren und Bässe klingen zweischneidig. Die Gitarren sind out of the Box nicht so super gelungen und müssen noch editiert werden, Bässe hingegen klingen richtig knurrig toll.

Streicher:

Streicher sind bei KORG schon eine Klasse für sich. Nicht umsonst finden sie u.a. im Symphonic-Metal heute ihren Platz (Selbst Nightwish hat vor 20 Jahren schon mit den Strings aus der N364 dermaßen Wumms blasen lassen, dass das Ding heute noch mit auf der Bühne steht).
Allerdings klingen sie einzeln ein wenig dürftig, im Kontext mit mehreren Timbres hingegen ballert es ordentlich.
Die Auswahl ist ein wenig beschränkt, aber das, was da ist, reicht.
Es sei jedoch jedem, der Strings nutzen will, Kurt Ader´s Soundpacks ans Herz gelegt, damit kannste dir ein Orchester direkt ins Haus holen!
KAPro-Sounds gelten ja nicht umsonst als das Maß der Dinge abseits von DAW-VSTs!

Brass&Woodwind:

Bei Bläsern und Holzblasinstrumenten gibt es einige gute Sounds, allerdings auch weniger gute. Die Menge der guten Sounds überwiegt jedoch, den Rest muss man bearbeiten.

Synth:
Der Kronos kann dank seiner verschiedenen Syntheseformen und Nachbildungen im Bereich Synthesizer so ziemlich alles abfeuern, was auf der Bühne gebraucht wird. Und natürlich noch viel mehr!
Dank der Version 2 sind auch viele bekannte Sounds wie z.B. für 1999, 99 Luftballons, Take on Me, Wake me Up und noch allerlei Zeug mehr.


Ein sehr kraftvolles Feature ist KARMA.
Am ehesten zu Vergleichen mit einem Arpeggiator, allerdings greift KARMA auch diverse Parameter auf, welche Panorama, Velocity, Filter, Spielweisen z.B. von Gitarren uvm.
Es ist also sehr viel mehr als "nur" ein Arpeggio. Es dauert allerdings auch ziemlich lange, bis man das Konzept da hinter verstanden hat.
Alternativ lässt sich auch ein Drum-Track zum Timbre/Combi hinzufügen, sodass der Schlagzeuger, sollte er mal nicht vorhanden sein, gar nicht gebraucht wird.



Fazit:


Der Kronos LS ist nach wie vor eine extrem leistungsstarke Workstation welche in meinen Augen sogar mehr Power hat, als der Montage von Yamaha. Ob er den neuen Roland Fantom toppen kann, wird sich zeigen.
Die Sounds sind durch die Bank erstklassig und dank sehr vieler Editierfunktionen auch weiterhin gut an eigene Vorlieben anpassbar.
Es gibt genügend Platz für Expansions, eigene Samples und sonstiges Gedöns, welches man von einer Workstation erwarten kann/muss.

Der Kronos ist dabei komplett auf den Live-Betrieb ausgerichtet und bietet von sich aus eine wahnsinnig große Möglichkeit mit externen Quellen zu arbeiten. So ist jede Combi im initialisierten Modus so programmiert, dass 15 der 16 Parts auf verschiedene MIDI-Kanäle geroutet sind, z.B. zum ansteuern externer Instrumente wie Expander oder weitere Keyboards.
Will man also alle 16 Parts intern im Kronos spielen, muss das Routing manuell angepasst werden
Ein wenig schade ist, dass es keinen schnellen Zugriff auf Transposer und Oktavverschiebung gibt, dies muss entweder im Global-Menü eingestellt oder im Program an sich gesucht und editiert werden.
"Mal eben so ne Oktave nach oben schieben" ist nicht.

Allerdings ist mit Version 2 der "Quick Split" bzw. "Quick Layer" Button hinzugefügt worden, welcher es erlaubt, auf die Schnelle 2 Sounds zu splitten oder layern. Sehr nützlich, wenn´s mal fix gehen muss, denn im Combi-Modus tippst du dir einen ab!

Größtes Manko am LS:
Die Tastatur hat kein Aftertouch spendiert bekommen. Da der Rest jedoch 1:1 ein Kronos 2 ist, sollte es, wenn man es denn unbedingt braucht, möglich sein, einen Aftertouch-Sensor nachträglich einzubauen. Ist ja auch nur ne Rubber-Leiste, die mit dem Tongenerator verbunden werden muss.
Externe Tastaturen können jedoch Aftertouch ausgeben und der Kronos LS reagiert auch darauf.


+ 88 Tasten ohne Gewichtung
+ 9 eigenständige Synthese-Formen
+ Sehr hochwertige Sounds
+ Tiefgreifende Editierung möglich
+ Diverse Anschlüsse vorhanden
+ Smooth Sound Transition für fehlerfreier Wechsel zwischen Sounds und Combis
+ SSD-Festplatte zum extrem schnellen Streamen von Sounds und Samples

- Manche Programs müssen noch editiert werden
- Kein direkter Zugriff auf Transpose oder Oktave
- Tastatur ohne Aftertouch