Oh Sh*t, ich hab´s getan: Ich habe der selbst gespielten Musik langsam abgedankt und mich ein wenig in die Bereiche des DJings eingearbeitet. Als klassischer Alleini hast du eben hier im Norden kaum noch Gigs.

Vor einiger Zeit hat die Firma Numark mit dem NV einen Controller auf den Markt gebracht, welcher dank 2 Displays nach eigener Aussage das Laptop überflüssig macht. Ob der Controller an sich was taugt, wollen wir uns also mal im Detail anschauen.

Hinweis: Sämtliche hier genannte Features lassen sich auf das Nachfolgermodell NV II kopieren, dieser besitzt nämlich außer optisch nur wenige Änderungen!

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Der NV bzw. NV II ist ein auf Serato abgestimmter DJ-Controller, heißt, ohne entsprechende Software ist das Teil ohne Funktion, er dient in erster Linie also dem Bedienen der Software. Grafisch ist der Controller auf die Serato-Software zugeschnitten, es ist aber auch möglich, ihn mit Traktor oder VDJ zu betreiben, wobei ich jedoch keine Garantie geben kann, da ich mit beiden nicht arbeite!
Da der Controller keine USB-Schnittstelle zur Kommunikation mit einem Stick besitzt, ist eine Software unabdingbar. Es gibt Controller, die lassen Songs vom Stick laden, diese kosten aber auch gleich 300€ mehr!.

Insgesamt kann der NV 4 Decks abbilden, welche sich auf Knopfdruck umschalten lassen.

Rückwärtig haben wir diverse Anschlüsse. Da ich nur 5 Fotos pro Post hochladen kann, erspare ich mir die Rückseite und nenne sie einfach
Neben dem obligatorischen Stromanschluss auf 12V finden wir den USB-Anschluss zur Rechner-Kommunikation. Direkt daneben als Cinch einen Input um z.B. analoge Plattenteller oder sonstige Zuspieler einzuspeisen, ansonsten können wir auch ein Mikrofon über eine 6,3mm Klinke einstöpseln.
Als Output haben wir 2 Cinch-Paare, eins für die Booth (also quasi die "persönlichen" Lautsprecher in der Nähe zum abhören) sowie für den Master Output, diesen finden wir aber auch noch mal in XLR-Duo vor!
Auf der Front haben wir noch die Buchse für einen Kopfhörer, damit wir ungestört und ungehört von der Menge probe hören können.




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Für einen Controller üblich sind die Decks, diese sind, bis auf einen Button identisch aufgebaut, daher soll eins als Anschauungsobjekt reichen.
Was direkt auffällt: Der NV verfügt über 2 4.3'' große Vollfarb-Displays, welche ein 1:1 Abbild der Player innerhalb von Serato darstellen! Laut Numark soll der Laptop hiermit als reine Beistell-Option degradiert werden und verspricht, 100% gleiches Auftreten nur via Controller.
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Die Displays lassen sich wie oben ersichtlich in 3 Varianten umschalten: Die klassische Ansicht, wie sie in Serato abgebildet ist, eine exaktere für die Waveforms sowie den Browser. Alle Modi können direkt über eine Taste umgeschaltet werden.
Direkt neben dem Display finden wir diverse Bedienelemente, rot unterlegte Elemente lassen sich durch die SHIFT-Taste einschalten. Neben dem Umschalten der Ansicht haben wir u.a. die Möglichkeit, die Wirkung des Pitch-Faders zu bestimmen, innerhalb von Serato verschiedene Ansichten aufzurufen oder z.B. Keylock aktivieren, sprich beim Einsatz des Faders für die Geschwindigkeit wird die Tonhöhe beibehalten.
Kleiner Wermutstropfen: Beim NV wird im Display keine Information ausgegeben, ob Keylock aktiv ist oder nicht, dies kann innerhalb der Software gesehen werden.
Zudem lässt sich über das Rädchen der gewünschte Track suchen, laden oder via Prepare vorbereiten, sprich in einen separaten Ordner kopieren, um später nochmals auf den Song zurückzukommen. Nicht selten findet man einen Song, den man später unbedingt noch mal bringen möchte, aber aktuell nicht auf eines der 4 Decks verteilen mag. Und bevor man es am Ende wieder vergisst, schiebt man ihn in diesen Ordner und greift später darauf zu.

Zur Suche eines Songs ist es dennoch ratsam, via Laptop die Suchbegriffe einzutippen, erst recht wenn man (wie ich) nur wenige Crates, sprich "Lieder-Ordner" hat, diese aber umso voller sind.


Direkt unter dem Display finden wir 4 Schalter, dafür sind 3 für Effekte vorgesehen, welche sich auch über SHIFT+FX-Button durchschalten lassen. So kann man ohne Software Effekte auswählen, ihre Intensität einstellen und last but not least sie aktiveren oder deaktivieren!

Ein wenig tiefer finden wir auf beiden Decks den BLEEP-Button, dieser erlaubt es, kurzzeitig rückwärts abzuspielen und nach dem Loslassen an der Stelle weiterlaufen zu lassen, als hätte man ihn nicht gedrückt.
Warum? Um z.B. vulgäre Textstellen in einem Song zu zensieren. Mittels SHIFT kann die Taste aber auch komplett als Reverse-Button dienen.

Auf dem linken Deck befindet sich ein roter Button namens "Touch FX".
Nach einmaligem Druck sind die Knobs für die Effekte touch-sensitiv und schalten einen Effekt bei Berührung ein oder aus, ideal, um einen voreingestellten Wert kurzzeitig zu aktivieren, ohne den FX über den Button einzuschalten.
Nach einem weiteren Druck schaltet der Mixer in den berührungsempfindlichen Modus und blendet entsprechende Frequenzen bei leichtem antippen aus, beispielsweise wird bei Berührung des Bass-Poti der gesamte Bass des Songs kurzzeitig ausgeschnitten.

Auf dem rechten Deck finden wir so einen Button ebenfalls, dieser hat jedoch andere Funktionen, darunter eine "Filter Roll" (komme ich gleich noch mal drauf zurück).

Herzstück des Decks ist das große Jog-Wheel, welches ebenfalls touch-sensitiv ist. Der Rand dient als Shuttle-Wheel, sprich das "anschubsen" oder "abbremsen" eines Liedes, während die Mitte als Jog-Wheel dient und die Position im Song heraussuchen kann bzw. der Track über den Plattenteller geschoben werden kann, was das klassische quietschende Geräusch erzeugt.
Hält man das Rad fest, stoppt der Track, bis wir es wieder los lassen. Ist der SLIP-Mode aktiv, läuft das Lied beim loslassen an der jetzigen Stelle weiter. So als ob der Plattenteller UNTER der Platte weitergelaufen wäre und wir nur die Platte gestoppt hätten.

Über den SYNC-Button lassen sich die Decks vom Tempo her angleichen, dabei gilt: Das laufende Deck dient als Master.

Im Gegensatz zu vielen Controllern hat der NV 8 Pads mit verschiedenen Funktionen und Unterfunktionen.

Im CUE-Modus stehen 8 frei wählbare Stellen im Song bereit, um z.B. schnell an eine bestimmte Stelle zu springen wie beispielsweise dem Refrain oder eines ganz markanten Riffs.
Ein weiterer Druck auf die Mode aktiviert den CUE-Loop, wo ein bestimmter Punkt im Lied gestartet aber dann in einem voreingestellten Raster wiederholt.

Im AUTO-LOOP werden klassische Loops aktiviert, welche sich u.a. direkt auf dem Controller oder in der Software einstellen lassen, nach einem weiteren Druck schalten die Pads in den Auto-Roll Modus, wo nur für die Dauer des Drucks ein Loop stattfindet.

Im LOOP-Modus hingegen stehen bis zu 4 Loops zur Verfügung, die allerdings FREI gemappt werden können, also nicht an ein festes Taktraster gebunden sind. Dieser Modus verfügt über keinen 2.

Im SAMPLER werden bis zu 8 Samples abgefeuert, entweder als fixe Einstellung oder, nach noch einem Druck, nach Velocity

Im SLICE-Modus hingegen kann, bei aktiviertem Beatgrid, ein Teil des aktuell durchlaufenden 8-Takte-Rasters immer wieder aufgerufen werden, ich selbst nutze es nicht.


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Zwischen den Decks thront der Mixer. Dieser verfügt für jedes Deck einen Kanalzug, also 4.
Ein kleines Bonbon:
Oberhalb der Kanalzüge befindet sich eine LED-Leiste. Diese zeigt an, welches der beiden aktiven Decks schneller läuft. Befindet sich die Anzeige links, läuft das linke Deck schneller, ist sie rechts, das rechte.
Befindet sich die Anzeige in der Mitte, laufen beide Decks nahezu mit identischer BPM. Dies hilft vor allem beim Beatmatching zu Beginn und ist auch danach eine sehr willkommene Hilfe.

In Serato laufen 2 FX-Kanäle, A und B.
Über entsprechende Buttons kann ein Kanal jeweils einem oder beiden zugewiesen werden, es empfiehlt sich, 1&3 auf A und 2&4 auf B zu routen.

Neben einer GAIN-Regelung für jeden Kanal befindet sich ein 3-Band-EQ. Ganz unten lässt sich mittels eine großen Knobs entweder ein Tiefpassfilter oder Hochpassfilter auf den Channel legen, dies jedoch nicht ganz so feinfühlig wie die LPF und HPF-Effekte innerhalb von Serato, aber sie tun ihren Job!
Ist der Filter-Roll-Modus aktiv, wird ab einem bestimmten Wert automatisch ein Roll eingelegt, welcher mit steigender Intensität im Taktmaß sinkt, bei leichtem Filter wird ein Takt wiederholt, bei fast vollen im 1/16 Takt.

Unter jedem Kanalzug findet sich ein kleiner Kippschalter, um die Decks einem Player zuzuweisen. Das rechte Deck ist mit B betitelt, das linke mit A. Der Schalter dient der Zuweisung um später über den Crossfader klare Zuordnungen zu erstellen.
Mittels des kleinen roten Buttons wird der Kanal auf den Kopfhörerausgang gelegt, um, unabhängig vom Master-Signal einen Track vorzuhören.

Direkt unter den Lautstärke-Fadern finden sich 3 kleinere Schalter. Diese dienen zur Steuerung des Crossfaders.
Zunächst lässt sich die Kurve des Faders einstellen, zwischen einer weichen Blende steht auch ein Harter Cut (perfekt für HipHop-Juggling) zur Verfügung. Über die linken und rechten Schalter lässt sich der CF-Start aktivieren, sprich, schiebt man den Fader auf Deck A, startet die Wiedergabe dort und stoppt gleichzeitig die Wiedergabe bei B und umgekehrt.

Der Crossfader selbst läuft butterweich und leicht und ist somit auch für härtere Gangarten geeignet, in denen er von Links nach Rechts geschubst wird, als gäbe es kein Morgen. Zudem lässt er sich austauschen, was ein großes Plus zu anderen Produkten darstellt, da so die Ersatzteilkosten geringer ausfallen als z.B. ein Neukauf!

Trotzdem gibt es auch einige Schattenseiten:
Für den professionellen Einsatz, also nicht nur dem reinen abspielen, ist ein Laptop weiterhin nötig, denn gerade die fehlende Rückmeldung über Keylock kann sehr schnell mal in die Hose gehen. Zudem reagiert das Display beim Laden eines neuen Songs inkl. Analyse, ein wenig zeitverzögert, dies ist wahrscheinlich dem Chip im Controller geschuldet.

Ebenfalls schade ist, dass im LOOP-Modus die ausgewählten Loops zwischen Gelb und Grün umgeschaltet werden. Dies ist aber gerade bei Auftritten draußen oder bei Menschen mit leichter Farbschwäche sehr schwierig auszumachen, weshalb auch hier ein Blick in die Software nötig ist.


Fazit:
Der NV und NV II sind absolut tolle Controller, welche im Vergleich zu den teureren von Denon in nichts nachstehen. Die Displays sorgen für eine erleichterte Bedienung und für weniger Blicke auf das Laptop an sich. Trotzdem ist dieser weiterhin essentiell und anders als Numark verspricht, nicht überflüssig. Aber ihr braucht ihn weniger, definitiv!

Die Verarbeitung ist sehr hochwertig für einen Controller im 600€-Segment.

Alles in allem kann gerade die Anzahl von 8 Pads (üblich sind leider immer noch 4) in diesem Preissegment punkten, denn auch teurere von Pioneer oder preisgleiche von Denon liefern hier nur 4.
Die Anordnung aller Elemente ist logisch und intuitiv, dennoch lohnt es sich, sich ein wenig mit ihnen vertraut zu machen. Es gibt keine versteckten Untermenüs, die, die vorhanden sind, sind entsprechend gekennzeichnet!

Leider ist eine fehlende Keylock-Anzeige sowie ein etwas langsam arbeitender Chip zu bemängeln, ist ein Song aber erstmal analysiert, läuft es wie eine eins!
Auch ist im Bereich Loops für farbenschwache Menschen ein kleines Hindernis verbaut, ich hätte mir hier eine wählbare Farbe gewünscht anstatt zwei nahezu identischer.

+ Robuste Verarbeitung
+ Mapping für Serato und kompatibel zu weiteren Softwares
+ Output in Cinch und XLR
+ Mikrofon-Eingang
+ 2 4.3'' Displays
+ Logisch aufgebaut
+ Touch-sensitive Bedienelemente wie Knobs und Wheels
+ Jog Wheel mit 3 Funktionen (Geschwindigkeit, Scratching und Stop)
+ Großer Pitch-Fader mit einstellbarem Regelwert
+ 8 Pads
+ keine versteckten Menüs, alle Funktionen sind aufgedruckt
+ Bleep-Taste zum zensieren bestimmter Stellen
+ LED-Anzeige zum Beatmatching vorhanden
+ Sync-Funktion
+ Hoch- und Tiefpassfilter pro Kanalzug separat bereits vorhanden
+ Effekte lassen sich mittels 3 Knobs regeln sowie an und abschalten
+ Crossfader in der Kurve einstellbar
+ Crossfader austauschbar

- Fehlende Keylock-Anzeige
- Loop-Funktion für farbenschwache Menschen schwer zu benutzen
- Beim Analysieren eines Songs nimmt die Leistung des Controllers ab (im Display)
- Vorgefertigte Filter qualitativ nicht so hochwertig wie z.B. in der Software
- Kein Anschluss für einen USB-Stick