Kapodaster sind für Gitarristen (nach den Saiten) die wichtigsten Werkzeuge auf der Bühne. Während sich hier über die Jahre mehr und mehr eine Gleichheit eingestellt hat, versucht der Hersteller "Creative Tunings" mit dem "Spider" eine neuartige Form, einen Capo zu bauen.

Ich habe das gute Stück von einem Freund ausgeliehen bekommen und möchte euch nun einmal erklären, was das neue Teil überhaupt kann. Als Anschauungsmaterial soll dieses Mal ein Bild aus dem Netz herhalten:


Der Spider ist ein Kapodaster für 6-Saitige Gitarren. Mittels einer großen Rändelschraube kann die Breite der Backen individuell eingestellt und somit auf fast alle gängigen Halsbreiten für 6 Saiter angepasst werden.

Der Clou: Anstatt alle 6 Saiten auf einmal zu drücken, verfügt der Spider über 6 einzelne kleine Stifte, die auf die Saiten drücken. Somit ist es möglich, nur bestimmte Saiten abzudecken und ihre Tonhöhe anzupassen!
Dabei kann die Gitarre nach wie vor normal gespielt werden, denn im entspannten Zustand sind keine Stifte ausgefahren, demnach haben wir das Standard-Tuning und erst auf Wunsch lassen sich einzelne oder alle Saiten verstellen!

Zum Schutz der Gitarre befindet sich eine Polsterung auf den Backen, sodass der Kapodaster das Holz weder beschädigt, noch sonstige Spuren hinterlässt. Es erlaubt zudem, den Capo auf dem Griffbrett bei leicht gelöster Schraube zu verschieben! Auch ist es möglich, bei einzeln gedrückten Saiten VOR dem Capo zu spielen, was nochmals mehr Möglichkeiten bietet.

Preislich bekommt man den Spider für ca. 28€ und damit ca 7€ teurer, als den Standard-Capo von Shubb. Zudem liegt er im deutlich höheren Preissegment, was sich jedoch durch die recht aufwändige Konstruktion erklären lässt.

Doch leider hat der Spider ein enormes Problem: Der Anpressdruck der Stifte ist fix. Im Bereich Akustik-Gitarre ist dieses "Manko" noch verzeihlich, bei E-Gitarren hingegen haben wir bei .009 und .010 Saiten einen viel zu hohen Druck auf die Saite, weshalb der Ton im Extremfall bis zu einem Viertelton ÜBER den Wunsch-Ton hinaus verbogen wird. Jeder, der schon mal ein Capo zu fest angezogen hat, weiß, wovon ich rede.
Mit meinem Stimmgerät habe ich mal kontrolliert. Die E-Saite sollte ja im Idealfall bei einem Capo im 1. Bund auf ein F "geschoben" werden. Jedoch schlägt die Nadel fast bis zum Fis. Das ist absolut nicht brauchbar. Natürlich könnte ich die Saite vorher entsprechend verstimmen, damit mit Capo der Ton stimmt, aber dann kann ich´s auch gleich lassen und lieber on Stage nachstimmen bzw. umstimmen.


Fazit:

Der Gedanke hinter dem Spider ist wirklich revolutionär. Mir ist kein vergleichbares System bekannt. Wenngleich es Capos gibt, die auf dem Griffbrett klemmen bleiben können und erst zu einem späteren Zeitpunkt Druck ausüben, gibt es kein System, welches EINZELSAITEN betätigt.
Der in meinen Augen VIEL zu hohe Anpressdruck hingegen lässt den Capo bei mir leider durchfallen. Bei meiner Les Paul mit Saitenstärke .011 habe ich ein annehmbares Ergebnis erzielen können, da eine Minimale Schwebung und Verstimmtheit bei manchen Liedern durchaus akzeptabel ist. Bei einer Westerngitarre mit .012 oder gar .013 Saitensätzen ist das Ergebnis gut. Ich habe bei dieser Dicke allerdings immer Schiss, beim Spielen mit dem Plektrum entweder die Saiten zu schrotten oder meinen Finger abuzrasieren, da diese echt straff sitzen.
Ich könnte mir vorstellen, die Stifte über eine Madenschraube im Anpressdruck einstellbar zu konstruieren und so bei einer Neuauflage des Capos dieses in meinen Augen disqualifizierende Manko zu beheben.

+ Innovatives und spielerfreundliches Konzept
+ für alle Gitarren mit 6 Saiten passend
+ Individuelle Breite einstellbar
+ Filz zum Schonen des Holzes und zum leichten verschieben
+ Individuelle Stimmung durch 6 eigenständige Stifte möglich, einzeln oder alle 6 zusammen
+ Capo kann im entspannten Zustand auf dem Griffbrett verbleiben
+ Spiel sowohl vor als auch hinter dem Capo möglich

- Recht teuer
- Unbrauchbar für dünne Saitensätze, da Anpressdruck viel zu hoch
- Anpressdruck nicht einstellbar