Keyboarderforum by Musiker Lanze

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  1. #41
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    Oh wie so trügerisch...
    Hans Lieberg spielte in einem seiner Auftritte auf dem Flügel etwas in der Interpretation von Stockhausen, indem er wild darauf loshämmerte. Er bat das Publikum mitzusingen und zu klatschen.
    Hierzu ergänzte er, dass es bei der modernen Musik unmöglich sei auf dem Klavier etwas falsch zu spielen.
    HaDi möge ihm verzeihen! ;-)
    Geändert von Lutz (16.01.2018 um 10:08 Uhr)
    Gruß Lutz

  2. #42
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    HaDi möge ihm verzeihen! ;-)
    Das mache ich doch gerne

  3. #43
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Progenos Beitrag anzeigen
    hm, und ich hegte bereits die Hoffnung, dass es so langsam erträglicher wird!
    Sorry, das dauert noch etwas

  4. #44
    Gott Avatar von HaDi
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    Also nochmal etwas aus der Mottenkiste der elektronischen/elektroakustischen Musik.

    Dass die Sinustonsache nicht nur sehr zeitaufwändig, sondern auch nicht besonders interessant klingt, war allen schnell klar.

    In Wikipedia wird dies auch gut beschrieben:

    "Da die klanglichen Ergebnisse dieser frühen Arbeiten aber deutlich hinter den in sie gesetzten Erwartungen zurückblieben,
    beschritt man in der Technik der Klangsynthese neue Wege und verließ bereits 1954 das ursprüngliche Sinuston-Konzept wieder.
    Mit wachsender Komplexität des Herstellungsprozesses nahm nun einerseits die Klangqualität ab und andererseits entzogen sich
    die Klangkomponenten auch zunehmend der Kontrolle durch die Komponisten. Eine erste Konsequenz daraus zog Stockhausen
    in seiner Komposition Gesang der Jünglinge (1955/56), die konzeptuell zwischen elektronischen Klängen und Phonemen vermittelt
    und statistische Ordnungsprinzipien (Aleatorik) durch im Raum verteilte Lautsprechergruppen zur Anwendung brachte."

    Noch einen Satz zur damaligen Technik: Man verwendete Tongeneratoren und nahm die einzeln erzeugten Töne auf Band auf.
    Veränderungen (Lautstärke) und Überlagerungen kamen einerseits durch Bandschnitt und Kopieren von mehreren Bändern auf
    ein neues zustande. Das dauerte nicht nur sehr lange, sondern durch das Kopieren mehrerer Bandgenerationen nahm die Klang-
    qualität immer mehr ab.

    Nach Einzug von Synthesizern wurde das Verfahren natürlich umgestellt. So stand im Kölner Studio später ein EMS Synthie 100

    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	300px-EMS_Synthi_100.jpg 
Hits:	4 
Größe:	18,5 KB 
ID:	1970

    und noch später schon erwähntes NED Synclavier.

    Hören wir aber doch mal kurz in eines der bekanntesten Stücke von "Stockie", nämlich "Gesang der Jünglinge" hinein.
    (Ach ja, bitte wieder ganz tapfer sein ) Die Analyse beinhaltet natürlich auch wieder einen gewissen "Hurzfaktor".

    Geändert von HaDi (16.01.2018 um 11:01 Uhr)

  5. #45
    Administrator Avatar von Handsome
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    Ich merke dieser Art von Musik an, dass sie stark von „naturwissenschaftlich/mathematisch“ Denkweisen geprägt ist.
    Ist vermutlich auch Zeitgeist...musikalische Quantenphysik...
    Aber interessant - Danke, HaDi
    Cheers out of Hemer


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  6. #46
    Gott Avatar von HaDi
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    Wenn man sich das ganze Video ansieht, kann es durchaus sein, dass der "Hurz"-Faktur verschwindet. Man muss diese Musik nicht schön finden
    (tue ich auch nicht), es kann aber trotzdem interessant sein. Hat sich eigentlich jemand das ganze Video angesehen?

  7. #47
    Administrator Avatar von Musiker Lanze
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    HaDi...ich bewundere immer wieder Dein Wissen und Deine Vielseitigkeit hier im Forum. Schade nur, dass ich hier nicht mit reden kann denn vieles von dem, was ihr hier so schreibt entzieht sich mir und meinem eigene Wissen um die Musiktheorie und das drum herum.

  8. #48
    XL Member Avatar von Nordlicht
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    Da kommt mir spontan die Frage in den Sinn: Was ist denn "Musik"? Ist "Geräusch" auch Musik?

    Gerade die Kompositionen der frühen elektronischen Musik machen einen sehr experimentellen Eindruck, man hat das Gefühl, es geht ausschließlich um das Neue, Unbekannte, man will alles Alte hinter sich lassen, ist dabei sehr techniklastig und man erzeugt sozusagen "strukturierte Geräusche". Interessant ist das allemal und natürlich z.B. Wegbereiter für die Entwicklung von Synthesizern oder es hat Dinge wie Filmmusik beeinflusst.

    Für mich bleibt diese Art von "Musik" allerdings leblos, "unmenschlich", unnatürlich, irgendwie verzwungen. Mir persönlich fehlt das "Überirdische", was Musik ausmacht, die Emotionen erzeugt und ganz tief in die Seele vordringt.
    Aber vielleicht gibt es ja Seelen, zu denen Stockhausen vordringt

    Wie gesagt, sehr interessant, lehrreich und auch unterhaltsam - vielen Dank dafür!

  9. #49
    Gott Avatar von HaDi
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    Tja, da hat uns unser Nordlicht ja eine schwierige Frage gestellt. Ist "Geräusch" auch "Musik". Zunächst zum Geräusch: Physikalisch betrachtet ist
    ein Geräusch ein akustisches Phänomen ohne feste Tonhöhe, d.h. mit aperodischen Schwingungen. Zumindest für die Sinustonsachen kann
    man sagen, der Sinuston als "reinster"(wenn auch unnatürlicher) Ton hat eine eindeutige Tonhöhe ohne Obertöne (mehr Ton geht wohl nicht).

    Wenn man nun uns bekannte Instrumente untersucht, muss man feststellen, dass zumindest viele Instrumente einen nicht unerheblichen
    Geräuschanteil aufweisen. Hierzu ein Ausschnitt aus einer Magisterarbeit:

    "Betrachtet man das Klangspektrum eines Musikinstruments, so wird man neben denTeiltönen auch einen Geräuschhintertergrund erkennen
    von dem sich die Teiltöne abheben.Der Geräuschanteil entsteht hauptsächlich durch die Tonerzeugung des jeweiligenInstruments und ist
    damit für die unterschiedlichen Instrumentengruppen charakteristisch.So entsteht der Geräuschanteil für die Streichinstrumente durch
    Unregelmäßigkeiten der Bogenhaftung und für die Blasinstrumente durch das Anblasgeräusch.Bei einem plötzlichen Anstossen eines
    Resonanzsystems werden zunächst alleResonanzen des Instruments angeregt und wenn dessen Frequenzen nicht auf dieFrequenzen der
    Teiltöne fallen, erscheinen sie als unharmonischer Klanganteil. Soist der Geräuschanteil für die verschiedenen Instrumente charakteristisch,
    trägtzum Erkennen des Instruments bei und verleiht ihm einen natürlichen Charakter."


    Wahrscheinlich sind wir diese Geräusche eher gewöhnt und schließlich ergibt sich ja noch ein eindeutig erkennbarer Ton.

    Zumindest die bisher vorgestellten Stockhausenstücke würde ich nicht als experimentell, sondern eher als konstruiert ansehen.
    Traugott liegt da sicher näher mit seiner Analyse. Ein Experiment setzt a doch einen offenen Ausgang voraus. Dass diese Stücke
    sehr kopflastig und wenig emotional sind, kann ich durchaus zustimmen, auch wenn eine Interviewerin einmal Stockhausen ziemlich
    aus der Fassung brachte mit ihrem Statement "Diese Musik ist ja sehr erotisch". Lassen wir mal dahingestellt, wie sie es meinte.
    Geändert von HaDi (16.01.2018 um 18:02 Uhr)

  10. #50
    XL Member Avatar von Nordlicht
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    Hier eine, wie ich meine, recht schöne Definition von "Musik" aus Wikipedia:

    Musik ist eine Kunstgattung, deren Werke aus organisierten Schallereignissen bestehen. Zu ihrer Erzeugung wird akustisches Material, wie Töne und Geräusche innerhalb des für Menschen hörbaren Bereichs, geordnet. (...)

    Also ist Musik geordnete Töne und Geräusche. Damit kann ich leben 😄.

    Und ja, "konstruiert" ist der bessere Begriff, vor allem weil diese Kompositionen wie von Stockhausen ja keine Improvisationen sind, sondern eben exakt vorgegeben und notiert.


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