Wenn es um Verstärker geht, kann man glaube ich eine ganze Bibel schreiben und hat immer noch was übersehen oder tritt wem auf die Füße.

Etwas spontan entstand dieser kleine Eindruck zum Yamaha THR10 V2, welchen ich beim stöbern im Musikladen (die hatten keinen Genos stehen, aber meine Freundin spielt Gitarre...) durch Zufall ausprobiert habe, und wie immer schauen wir uns das ganze nun mal an.

Auch hier wird es keine Soundbeispiele geben, da ich keinen mit iPhone amateurhaft aufgenommenen Klang bzw mein fehlendes Talent hier vorweisen möchte ;-)

Beim THR10 V2 handelt es sich um einen universellen Modeling-Verstärker im Kleinformat mit eingebauten 2x8cm Fullrange-Lautsprechern und einer Leistung von 2x5W.

Optisch sticht das Kerlchen durch seine an ein Retro-Radio erinnernde Optik, sowie seinem sanften beige-Ton aus der Masse der sonst schwarzen (oder orangenen) Amps hervor.

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Bevor wir ins Detail gehen, ein Highlight des Amps:
Er ist sowohl für Elektrische, als auch Akustische Gitarre UND sogar Bass geeignet! Dank seiner kleinen Bauweise und gutmütigen Leistung eignet er sich perfekt für´s heimische Musizieren!

Die Bedienung geht einfach und flott vonstatten.
Aus 8 vorgefertigten Amp-Modellen einen auswählen, dann haben wir die Möglichkeit, die Vorstufe zu verzerren (Gain) sowie die Master-Lautstärke anzupassen.
Welche Tricks und Tipps diese beiden Elementen bewirken, dürfte jeder Spieler wissen, daher gehe ich da nicht näher drauf ein.
Eine 3-Band Klangregelung sorgt dafür, dass man "seinen" Sound etwas modifizieren kann.
Mit dem nächsten Poti kann man aus 4 Effekten wählen:
Chorus, Flanger, Phaser und Tremolo, je nach "Aufdrehen" wird die Intensität verstärkt, etwas schade ist, dass man immer nur einen Effekt nutzen kann.
Anschließend lassen sich Delay oder Hall einstellen und letztlich die Balance zwischen Input und AUX-Eingang regeln.

Neben dem obligatorischen Input gibt´s einen Einschleifweg für AUX-Signale, z.B. Smartphone oder CD-Player.
Eine Kopfhörerbuchse sorgt für leises Spielen, das Signal kann aber auch einer externen Box zugeführt werden.
Dank USB-Anschluss ist der THR10 V2 sogar als Audio-Interface für einen PC nutzbar!
Ein eingebautes Stimmgerät sowie 5 Speicherplätze für Lieblings-Einstellungen runden das Angebot an Features sinnvoll ab.

Beim Modeling werden verschiedene "Typen" an Amps simuliert, sprich, es man hat es nicht mit "einem" Grundklang zu tun, sondern vielmehr mehrere Amps in einem Gerät.
Das schöne:
Der Amp reagiert sehr dynamisch. Zum Testen habe ich eine (Showroom-ramponierte) ESP Horizon mit aktiven EMG´s verwendet und für den zarten Klang einen Strat-Klon von Blade genommen.
Bei wenig Vorstufe reagiert jedes Preset sehr sanft und zurückhaltend, mit angezogener Endstufe fängt die Kiste sehr schnell an, an "Fett" zu gewinnen.
Dabei eignen sich gerade die Presets "Clean" und "Aco" für Unplugged-Feeling und für jegliche Art von Musik, die eben nicht brüllen und scheppern soll.
Der Crunch-Amp hingegen erinnert an einen Fender Mustang und eignet sich somit ideal für Classic Rock, der durchaus mal in die Ecke "etwas übertrieben" driften kann.
Die Lead, Brit Hi (Marshall od. Orange) und Modern-Amps hingegen sind in Kombi mit aktiven Pickups in der Lage, ordentlich Dampf zu geben und in die schwarze Ecke zielen.
Für waschechte Metal-Geeks vermutlich nicht zufriedenstellend, aber der Querschnitt des Verstärkers stimmt!

Fazit:
Ein vergleichsweise günstiger Amp (um die 280€), der optisch was hermacht, klein genug ist, um nie zu fett aufzutragen und eigentlich alles bietet, was der Gitarrist braucht.
Egal ob man Einsteiger ist, und etwas "vernünftiges" haben möchte, oder einfach einen kompakten Freund sucht, der einen nichts vermissen lässt, sich aber perfekt für´s Üben fernab des großen Stacks eignet, beim THR10 V2 gibt´s für jeden Anspruch mehr als zufriedenstellendes Material.
Ein Batteriebetrieb sorgt zudem dafür, dass man mobil spielen kann, auf der Arbeit den Chef ärgern oder (wie in Berlin in U-Bahnen üblich) mal eben Urban-Concert anschmeißt. 2x5W sind nicht die Welt, aber dafür gibt´s ja auch Stacks und Co.

Sicherlich sind gerade Fans von Heavy-Zeugs enttäuscht, aber das, was de Amp als Querschnitt bietet, reicht den "übrigen" Gitarristen voll aus!
Es gibt Amps in gleicher Preislage mit weniger Ausstattung und schlechterem Klang, soviel darf man sagen! dank AUX kann man jederzeit zu einer anderen Quelle dazuspielen.

Ein eingebautes Stimmgerät und Speicherplätze sind noch eine sehr willkommene Dreingabe.
Dank USB kann sogar der heimische PC, bzw. die DAW, mit den Klängen versorgt werden.
Einzig und allein das etwas billig wirkende Netzteil ist etwas nicht ganz so schönes, ansonsten ist dieses Gerät ein wirklich sorgloses Komplettpaket für Einsteiger, Amateure und Profis mit Anspruch an Minimalismus!

+ Gutes Preis/Leistungsverhältnis
+ Retro-Optik
+ Für Bass, E/A-Gitarre geeignet
+ Eingebaute Lautsprecher
+ USB-Interface
+ Einfache Bedienung
+ universeller Klang, für jeden was dabei!
+ Eingebautes Stimmgerät
+ 5 Speicherplätze
+ Batteriebetrieb
+ AUX-In
+ Kompakt und leicht (2,9KG)

- Netzteilanschluss wirkt etwas billig
- Nicht für Heavy-Music geeignet
- Nur ein Effekt wählbar